Wie gestaltet man die Honorierung von Referierenden?

Was zahlst du Online-ReferentInnen?







Dazu tauchte kürzlich im DOSB-Wissensnetz, der Online-Community des organisierten Sports in Deutschland, eine Frage auf, die auf größeres Interesse stieß. Im Bereich “Bildung/Webinare” wurde nach folgendem Punkt gefragt: “Erfahrungswerte in der Honorierung von Referenten, die online bestimmte Bereiche/Themen/Module behandeln und nicht bei Präsenzterminen tätig sind”. Diese Diskussion war der Startschuss für uns, uns intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wie wird das Thema aktuell in den Verbänden gehandhabt und welche Faktoren der Honorarabrechnung werden angewandt? Langfristiges Ziel könnte es sein, einen Richtwert-Katalog zu erstellen, an dem sich Organisationen orientieren können.

Wir haben uns bei einigen Verbänden und Organisationen umgehört, wie der Umgang mit Honorierung von beispielsweise ehrenamtlich Referierenden aussieht. Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Kalkulation? Wird die Honorierung pro TeilnehmerIn (TN) oder anhand des zeitlichen Aufwands vorgenommen? Wird pauschal oder differenziert vergütet?

Aus vielen Gesprächen geht hervor, dass für die Vorbereitung und Betreuung der Online-Phasen ein höheres Zeitbudget angesetzt werden muss als für reine Präsenz. Für Alexandra Kreutel vom DOSB ist dabei jedoch klar, dass sie keinen Unterschied in der Vergütung zwischen Präsenz- und Online-Lehre machen möchte. Insbesondere deshalb, weil für sie beide Phasen gleich wichtig sind. Für die Vorbereitung eines Webinars kalkuliert sie in der Regel einen ca. 50 % höheren zeitlichen Aufwand als für eine Präsenzeinheit.

Doch wie geht man bei der Kalkulation vor? Zunächst sollte man sich vor Augen halten, welche Arbeitsphasen sich für Online-ReferentInnen ergeben. 

Erstellung von Content für Online-Einheiten

Die Abschätzung des benötigten zeitlichen Invests für die Erstellung der Lehrinhalte der neuen Blended-/ e-Learning Programme ist aktuell eine zentrale Herausforderung für die Organisationen. 

Auch die Abteilung Bildung im LSB Niedersachsen hat sich dazu intensiv Gedanken gemacht. Herausgekommen ist die Unterscheidung in „Konzept Erstellung“ und „Durchführung des Lehrgangs“, erzählt Bettina Hasenpusch. Unter „Konzept Erstellung“ fallen Tätigkeiten wie Aufgabenkonzeption sowie die Erstellung der dazugehörigen Videos. Hier arbeitet das Team mit Werkverträgen, die pauschal vergütet werden. Orientierungsgröße ist dafür die Anzahl der Lehreinheiten, welche die Teilnehmenden anerkannt bekommen. Die „Durchführung des Lehrgangs“ wird ebenfalls pauschal vergütet. Darunter fallen alle Betreuungstätigkeiten der Teilnehmenden sowie ggf. auch mal das Anpassen einer Aufgabe. Auch hier gilt die Anzahl der Lehreinheiten als Orientierung, jedoch im Unterschied zu den Konzeptionsleistungen werden die Betreuungsleistungen mit dem 1,5-fachen Satz vergütet. Bettina Hasenpusch beton an dieser Stelle, dass das zunächst einmal ein erster Aufschlag ist, denn es muss erst einmal eine Grundlage in den Richtlinien geschaffen werden.

Dass Pauschalbeträge eine gute Möglichkeit sind verschiedene Unsicherheiten wie zum Beispiel in Bezug auf Teilnehmenden Anzahl etc. zu umgehen, findet auch Alexandra Kreutel. Insbesondere bei Neukonzeptionen, sei dies eine sinnvolle Lösung. Auch für die erste Durchführung einer neu konzipierten Qualifizierungsmaßnahme sollte ihrer Erfahrung nach ein Pauschalwert vereinbart werden. 

Dass diese Herangehensweise eine gewisse Sicherheit bietet, wird durch die Erfahrungen von Anja Kannegießer vom LSB Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Sie und ihr Team hatten für die Vorbereitungen eines neuen Vereinsmanager-B-Lehrgangs im Blended-Learning-Format 40 Euro pro Stunde angesetzt. Die im Vorfeld kalkulierte Anzahl an Vorbereitungsstunden wurden jedoch aufgrund von Abstimmungsgesprächen und einigen Korrekturschleifen überschritten. Das Ergebnis lässt sich dafür sehen: Die Online-Aufgaben werden von Einführungsvideos und Videos mit PowertPoint und Flipchartpräsentationen begleitet.

Begleitung der Online-Phasen

Bei einer Erstdurchführung einer neu konzipierten Qualifizierungsmaßnahme bietet sich laut Kreutel ebenso eine Pauschale an, da die tatsächliche Zeit eine unbekannte Größe ist. Auf dieser Grundlage werden Erfahrungswerte gesammelt, welche Maßnahme wie viel Zeit erfordert, und ein Mittelwert bestimmt. Für die Referierenden bietet sich ein Zeitprotokoll oder eine Stundendokumentation an. Bei mehrmaliger Durchführung ergeben sich relativ gute Richtwerte, auf deren Basis eine Pauschale bestimmt werden kann. 

Betreuung bzw. persönliches Feedback der Aufgaben und der Teilnehmenden

Die Interaktion, also das persönliche Feedback und die Betreuung der Teilnehmenden während der Online-Zeiten ist die Voraussetzung für ein wirkungsvolles Blended-Learning- Programm. Auch hierfür gibt es noch keine ausreichenden Daten, um eine generelle Best-Practice-Antwort geben zu können. In den von uns befragten Organisationen werden aktuell unterschiedliche Modelle gelebt. Diese werden anhand von zwei Beispielen aufgezeigt:

Vergütung nach Tagessatz 

Die Begleitung der Kurse online wird beim Bayerischen Handball-Verband analog zu einem klassischen Präsenztag vergütet. Referierende, die einen Blended-Learning-Kurs durchführen, bestehend aus einem Präsenztag mit vor- und nachbereitender Online-Zeit, erhalten somit zwei Tagessätze vergütet.

Vergütung nach Lerneinheit

Eine zweite Möglichkeit für die Bemessung der Honorarhöhe ist die benötigte Zeit. Dabei gilt die Lerneinheit als Orientierungsgröße (LE = 45 Minuten), wobei bei der Honorarhöhe pro LE nicht zwischen Online- und Präsenzformaten unterschieden wird. Lediglich der zeitliche Aufwand ist ausschlaggebend, weshalb das Honorar tatsächlich höher ausfallen kann. Je nach Aufgabentyp, Schwierigkeitsgrad, Länge können unterschiedliche Durchschnittswerte festgesetzt werden. 

  1. 6–8 Minuten pro TN = 3–4 LE/20 TN

Daniel Ringleb vom Deutschen Tischtennis-Bund berichtet: Bei einer einfachen Aufgabe mussten die Teilnehmenden bis zu sechs Kommentare in ein bis zwei Videos (Gesamtlänge max. 1 Minute) hinterlassen. Die Referierenden benötigten 6–8 Minuten pro TN. Die Betreuung erforderte bei 20 TN insgesamt 160 Minuten (= 3–4 Lerneinheiten). Nach der Auswertung von 789 Videoarbeiten konnte ein Zeitwert von 6–8 Minuten pro TN als untere Grenze für ein individuelles Feedback im Sinne des persönlichen Coachings definiert werden. Je nach Lizenzstufe und Aufgabentyp können jedoch auch längere Betreuungszeiten anfallen.

  1. 8–10 Minuten pro TN = 3–4 LE/15 TN

Alexandra Kreutel bringt eine andere Kalkulation aus einer beispielhaft erarbeiteten Blended-Learning-Fortbildung ein: Im Schnitt benötigten die Referierenden zwischen 8 und 10 Minuten pro TN für die Betreuung einer Aufgabe. Bei 15 TN sind es bis zu 150 Minuten, d.h. ca. drei bis vier Lerneinheiten. Sie betont, wie bereits erwähnt, dass die zeitliche Ressource für die Betreuung der Online-Phasen um 50 % mehr als für Präsenz angesetzt werden muss. Dem stimmt auch Bettina Hasenpusch zu.

Weitere Erfahrungen und Lösungsansätze

Weitere Ideen und Ansätze für die Honorierung von Referierenden zeigte Sven Visser vom LSB Nordrhein-Westfalen in unserem Webinar vom 02.10.2019. Die Aufzeichnung dazu finden Sie hier:

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